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Rezension »Dead Men Working«

Friday, August 3. 2007, 19:20
Das rezensierte Buch ist schon etwas älter (2004), da ich es jedoch vor kurzem gelesen habe mit dem Gefühl, dass selbiges bislang viel zu wenig Aufmerksamkeit erhielt, gibt's eine kleine Rezension.

Kurz zum Kontext, in dem das Buch entstand: Die dahinter stehende Gruppe Krisis, welche sich aus verschiedenen marxistischen Strömungen der Linken speist, veröffentlichte 1998 das Manifest gegen die Arbeit, parallel dazu der damals noch bei Krisis aktive Robert Kurz das Schwarbuch Kapitalismus (umfangreicher Wikipedia-Artikel mit Download-Link). In dieser provokanten Schrift wird ausgesprochen, was jeder wissen könnte, aber niemand zu denken wagt: Das System der Lohnarbeit ist am Ende, stößt immer massiver an seine natürlichen Grenzen und kein Wirtschaftswachstum der Welt kann die Produktivkraftentwicklung, die durch die mikroelektronische Revolution ausgelöst wurde, wieder ausgleichen. Es ist ein simpler und doch so gerne ignorierter Fakt, dass Arbeit in zunehmendem Maße schlicht überflüssig wird.

»Dead Men Working« ist nun ein etwas aktuellerer Blick auf's Geschehen. Abwechselnd stehen Berichten aus dem Alltag der Beschäftigungstherapieanstalten für Arbeitslose (in Österreich, aber das tut wenig zur Sache, die Grundzüge dürften in allen Industriestaaten die selben sein) neben inhaltlich-theoretischen Texten, die ein breites Themenspektrum abdecken.
Neben der entspannten Tatsache für mich, einfach mal wieder gut auf den Punkt gebracht zu lesen, was sowieso meine Meinung ist, fand ich auch einige Aspekte, die mir weiterer Beachtung Wert scheinen. So wird umfangreich auf die zunehmende Annäherung von wirtschaftlichen Heilslehren an die Esoterik eingegangen. Angebote von dubiosen Strukturfirmen gehören inzwischen wohl in den Arbeitsagenturen zum Alltag, ebenso wie auf fragwürdigen und kaum wissenschaftlich haltbaren Ideologien basierende Motivationsseminare. Selbst in den Sektenberatungsstellen der Großkirchen wird dieser Thematik inzwischen größerer Raum eingeräumt.

Einen Gesamtüberblick über den Inhalt zu geben fällt schwer, da es sich vor allem um eine Textsammlung verschiedenster Blickrichtungen auf das selbe Oberthema handelt. Ein lesenswertes Buch ist es allemal.

Dead Men Working von Ernst Lohoff (Autor), Norbert Trenkle (Autor), Karl-Heinz Lewed (Autor), Maria Wölflingseder (Autor)

Verlag »Zerschlagt das bürgerliche Copyright«

Sunday, July 15. 2007, 16:27
RaubdruckeEine Frage, die mich schon länger beschäftigt, ist die nach historischen Vorläufern der Copyright-Kritik. Ist selbige vor allem ein neuzeitliches Phänomen in Zeiten von Internet-Tauschbörsen und Youtube?

Nebst verschiedenen Erscheinungen in der Popkultur (die bekanntesten wohl Negativland und KLF) und den Copyleft-artigen Vorworten der Situationistischen Internationale stößt man auch irgendwann auf die Kultur von Raubdrucken der 68er-Bewegung. Dazu fand ich bislang jedoch recht wenig Informationen, ein bißchen was steht in der Wikipedia, verlinkt ist dort dieses Interview.
Wie man auf dem Bild sehen kann, hab ich inzwischen zwei Exemplare des Verlages mit dem schönen Namen »Zerschlagt das bürgerliche Copyright« erstanden. Was mich interessieren würde: Gibt es aus dieser Zeit inhaltliche Texte? Ist mit der Einschränkung »bürgerlich« irgendein diffuses Konzept eines »besseren« (»kommunistischen«) Copyrights verbunden?

Für Hinweise und weitere Fundstücke wäre ich dankbar.

Buchrezension: »No Copy - Die Welt der digitalen Raubkopie«

Thursday, September 14. 2006, 18:41
No CopyGerade zu Ende gelesen: Das Buch »No Copy«, von Jan Krömer und Evrim Sen, erschienen im Tropen Verlag. Die Autoren sind dem ein- oder anderen vielleicht durch ihre Veröffentlichungen »Hackertales« und »Hackerland« bekannt.

Das Buch enthält einen Ausführlichen Teil über die verschiedenen »Szenen« (Warez, FXP, Filesharing), welcher für mich noch der Spannendste war, da ich damit bislang kaum Berührung hatte (wenn man mal von der inzwischen komplett im legalen Bereich werkelden Demoszene absieht). Inklusive der mir bislang unbekannten Skurillität, dass es in der Warez- und Crackerszene teilweise gar bestrebungen gab, die eigenen Releases mit Kopierschutzartigen Mechanismen zu versehen. Desweiteren beschreibt es die Anfänge der Hackerkultur, den Homebrew Computer Club und den berühmten »offenen Brief« von Bill Gates, in dem er sich bei seinen Clubkollegen über unrechtmäßige Kopien seiner Software BASIC beschwert. Die Entwicklung von GNU, Linux und der Wikipedia wird grob umrissen.

Das aufkommende Filesharing und die konsequenzen für Musik- und Filmindustrie werden besprochen, den Statistikfälschungen von GVU und anderen wird nachgegangen, die Strafverfolgungsaktionen und Urheberrechtsreformen beleuchtet.

Das ganze Buch wirkt leider sehr schlampig geschrieben, die ein- oder andere Korrekturrunde hätte sicher nicht geschadet. So würde Richard Stallman sich vermutlich »not amused« zeigen über die Behauptung, er sei Protagonist der »Open Source-Bewegung«, Bittorrent ist auch kein komplett dezentrales Protokoll. Beim Kapitel über Kopierschutztechnik wird munter Hacken und Cracken durcheinandergewürfelt und es wird überhaupt nicht klar, warum ein Kopierschutz immer knackbar sein wird, aber andersrum es durchaus theoretisch möglich ist, einen nicht hackbaren Server aufzustellen.

Insgesamt enthält das Buch wenig neues und spart viele wichtige Aspekte aus. So wird kaum auf den kulturell schaffenden und bewahrenden Aspekt von Copyright-Brüchen (Grey Album, Emu/Rom-Szene) eingegangen, die kriminellen Aktivitäten der Medienindustrie (Sony-Rootkit, Pay-for-play) finden kaum Erwähnung. Am Ende bleibt auch unklar, was die Autoren eigentlich wollen. Copyright abschaffen oder reformieren? Sind Schwarzkopien prinzipiell in Ordnung oder nur manchmal? Es bleibt bei einem diffusen »Musikindustrie hat was verschlafen«, was zwar richtig, aber schlicht belanglos ist.

Es enthält zwar den ein- oder anderen interessanten Denkansatz, etwa die Provokative These, legale (freie Software, Wikipedia) und illegale (Warez) Aktivitäten als verschiedene Ausprägungen der gleichen Grundideale anzusehen, insgesamt ist es jedoch vor allem eine Enttäuschung.

No Copy. Die Welt der digitalen Raubkopie
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