Buchrezension: »No Copy - Die Welt der digitalen Raubkopie«
Thursday, September 14. 2006, 18:41
Gerade zu Ende gelesen: Das Buch »No Copy«, von Jan Krömer und Evrim Sen, erschienen im Tropen Verlag. Die Autoren sind dem ein- oder anderen vielleicht durch ihre Veröffentlichungen »Hackertales« und »Hackerland« bekannt.Das Buch enthält einen Ausführlichen Teil über die verschiedenen »Szenen« (Warez, FXP, Filesharing), welcher für mich noch der Spannendste war, da ich damit bislang kaum Berührung hatte (wenn man mal von der inzwischen komplett im legalen Bereich werkelden Demoszene absieht). Inklusive der mir bislang unbekannten Skurillität, dass es in der Warez- und Crackerszene teilweise gar bestrebungen gab, die eigenen Releases mit Kopierschutzartigen Mechanismen zu versehen. Desweiteren beschreibt es die Anfänge der Hackerkultur, den Homebrew Computer Club und den berühmten »offenen Brief« von Bill Gates, in dem er sich bei seinen Clubkollegen über unrechtmäßige Kopien seiner Software BASIC beschwert. Die Entwicklung von GNU, Linux und der Wikipedia wird grob umrissen.
Das aufkommende Filesharing und die konsequenzen für Musik- und Filmindustrie werden besprochen, den Statistikfälschungen von GVU und anderen wird nachgegangen, die Strafverfolgungsaktionen und Urheberrechtsreformen beleuchtet.
Das ganze Buch wirkt leider sehr schlampig geschrieben, die ein- oder andere Korrekturrunde hätte sicher nicht geschadet. So würde Richard Stallman sich vermutlich »not amused« zeigen über die Behauptung, er sei Protagonist der »Open Source-Bewegung«, Bittorrent ist auch kein komplett dezentrales Protokoll. Beim Kapitel über Kopierschutztechnik wird munter Hacken und Cracken durcheinandergewürfelt und es wird überhaupt nicht klar, warum ein Kopierschutz immer knackbar sein wird, aber andersrum es durchaus theoretisch möglich ist, einen nicht hackbaren Server aufzustellen.
Insgesamt enthält das Buch wenig neues und spart viele wichtige Aspekte aus. So wird kaum auf den kulturell schaffenden und bewahrenden Aspekt von Copyright-Brüchen (Grey Album, Emu/Rom-Szene) eingegangen, die kriminellen Aktivitäten der Medienindustrie (Sony-Rootkit, Pay-for-play) finden kaum Erwähnung. Am Ende bleibt auch unklar, was die Autoren eigentlich wollen. Copyright abschaffen oder reformieren? Sind Schwarzkopien prinzipiell in Ordnung oder nur manchmal? Es bleibt bei einem diffusen »Musikindustrie hat was verschlafen«, was zwar richtig, aber schlicht belanglos ist.
Es enthält zwar den ein- oder anderen interessanten Denkansatz, etwa die Provokative These, legale (freie Software, Wikipedia) und illegale (Warez) Aktivitäten als verschiedene Ausprägungen der gleichen Grundideale anzusehen, insgesamt ist es jedoch vor allem eine Enttäuschung.
No Copy. Die Welt der digitalen Raubkopie
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Schönes Review. Freut mich vor allem, da ich auch schon auf der Evoke die Flyer für das Buch gesehen habe und irgendwie Interesse hatte - nur lustigerweise war ich durch das Cover "NO COPY" und dann noch mit einem "richtigrumen (c)" doch etwas abgeschreckt und habe es versäumt es zu lesen. Jetzt weiss ich zumindest, dass ich nichts verpasst habe, denn die wenigen positiven Aspekte, die Du rauspickst, stehen auch in Torvalds "Just for Fun", Grassmucks "Freie Software" und Himanens "Die Hacker-Ethik"... weit bessere Bücher zu solchen Themen. Wobei die natürlich nicht die Raubkopierszene beschreiben.
Ehhm, den Review kann man in die tonne klopfen sorry! Richard Stallmann wird ja nun überhaupt nicht mit Open Source vermischt, was schreibt ihr da? Buch nicht gelesen? hatte eher den eindruck open source und free software wurde ganz klar erklärt. ach Und: aber wo wird da demoscene mit warez vermischt? Auf welcher Seite soll dass denn bitteschön stehen? dass die demojungs geschichtlich aus der warez-scene herstammen ist euch klar, oder???
Irgendwie voll krass, sprechen wir von dem selben buch NO COPY, oder was habt ihr da gelesen?
Irgendwie voll krass, sprechen wir von dem selben buch NO COPY, oder was habt ihr da gelesen?
#1.1
snoax'zed
on
2006-11-05 15:31
nach dem ankündigungs-wildentry auf der breakpoint06 war abzusehen, dass das buch weder gut recherchiert noch sonderlich erkenntnisbringend sein dürfte.
ich weiß nicht, in wie weit die ankündigung mit dem buchinhalt tatsächlich korelliert, aber einige dinge sind schlichtweg falsch.
so wurde z.b. die demoszene fast vollständig mit der warezszene gleichgesetzt, aus demoparties wie z.b. The Party wurden copyparties, etc.
das alles war grober unfug.
da ich bisher keine aussage finden konnte, auf die das buch hinarbeiten würde (dieser eindruck wurde jetzt durch dein review verstärkt), denke ich mal nicht, dass ich es noch lesen werde.
ich weiß nicht, in wie weit die ankündigung mit dem buchinhalt tatsächlich korelliert, aber einige dinge sind schlichtweg falsch.
so wurde z.b. die demoszene fast vollständig mit der warezszene gleichgesetzt, aus demoparties wie z.b. The Party wurden copyparties, etc.
das alles war grober unfug.
da ich bisher keine aussage finden konnte, auf die das buch hinarbeiten würde (dieser eindruck wurde jetzt durch dein review verstärkt), denke ich mal nicht, dass ich es noch lesen werde.
Naja, die Verpeiltheit kulturindustrieller Bemühungen als »belanglos« abzutun, negiert irgendwie, dass es für die Filesharing-Kultur, die wir heute haben, durchaus historisch zweier Dinge bedurfte. Zum einen eben ganz klassisch Produktivkraftentwicklung (Napster, Emule, Bittorrent) und zum anderen eben schon auch den Leidensdruck des Konsumenten, dem kein zeitgemäßes, legales Angebot mehr zur Verfügung stand. Dass die Kulturindustrie verpeilt hat, ihre Pfründe im Netz zu sichern ist eindeutig so und es ist auch nicht irrelevant. Vielmehr ist es großartig und wirklich ein Grund zur Freude.
A propos: Bücher. Wie sieht's denn mit meinem Buch aus ? G Das hast du nun schon ca. 14 Monate. :D
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