Entries tagged as killerspiele

Gamer auf die Straße

Wednesday, May 27. 2009, 22:21
Vor einigen Tagen wurde bekanntgegeben, dass die in Karlsruhe geplante Veranstaltung Intel Friday Night Games nicht stattfinden wird. Eine scheinheilige Koalition von CDU bis zu den Grünen wollte im Angesicht des Amoklaufs von Winnenden keine Zockerveranstaltung in ihrer Stadt. Um einem politischen Verbot zuvorzukommen, sagte der Veranstalter die IFGN ab.

Dagegen rufen jetzt Gamer der Webseite readmore.de zur Demonstration auf. Die Demonstration soll am 5. Juni, am ursprünglich für die IFNG vorgesehenen Termin, stattfinden.

Ich bin kein Gamer, ich war noch nie auf einer LAN-Party. Als ich mich das letzte Mal für Ego-Shooter interessiert habe, liefen die noch unter DOS. Aber ich finde es absolut unerträglich, wie hier eine Gruppe von Menschen für etwas verantwortlich gemacht wird, obwohl ein Zusammenhang kaum seriös belegt werden kann. Deswegen meine volle (wenngleich vermutlich nicht persönliche) Unterstützung, wenn Gamer auf die Straße gehen.

Via gulli.

Update: Jetzt mit eigener Webseite.

Zur Verteidigung des Kulturguts Computerspiel

Saturday, December 20. 2008, 15:59
Es gibt Dinge, die sind so abstrus, dass man sich überlegt, ob sie einer Kritik überhaupt würdig sind. Da das Thema heute eine gewisse Relevanz in der Medienlandschaft zu erhaschen scheint und einige populistische, weitverbreitete Vorurteile bedient, scheint es mir doch sinnvoll, etwas dazu zu schreiben.

Eine illustre Gruppe, die von CSU-Stadträtinnen bis hin zu einer Reihe mehr oder minder bekannten Persönlichkeiten der Friedensbewegung reicht, verfasst einen Kölner Aufruf gegen Computergewalt. Spekulationen über den Begriff Computergewalt (wenn ich meinen Nächsten mit dem Keyboard eins überziehe?) lasse ich mal beiseite.

Der Aufruf versucht dann eine Verbindungslinie zu ziehen zwischen sogenannten »Killerspielen« und dem militärisch-industriellen Komplex. Eine solche Behauptung ohne zumindest weitere Quellen anzugeben finde ich schon ziemlich gewagt. Auch dass zwar von »über 3500 empirischen Untersuchungen« gesprochen wird, ohne selbige zu referenzieren, spricht eigentlich schon Bände.

Was dann aber im weiteren Verlauf des Aufrufs passiert, das ist nicht nur dämlich sondern schlicht skandalös: Ohne weitere Begründung wird jegliche Argumentation gegen »Killerspiele« ausgeweitet auf Computerspiele an sich. Das ganze gipfelt dann in der Forderung, die Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut zu verhindern und jede Förderung von Computerspielen einzustellen.
Das ist ungefähr so sinnvoll, wie Büchern den Rang des Kulturgutes absprechen zu wollen, weil es gewaltverherrlichende Bücher gibt - oder jegliche Filmförderung einzustellen, als Reaktion auf Splatterhorrorfilme.

Killerspieldebatte 0.1

Wednesday, August 15. 2007, 00:14
BILD über Super-MarioDie kleine Nicole (12) [...] saß seit dem Frühstück vor dem Bildschirm. Darauf flimmerte das Videospiel. Kampf gegen tückische Schildkröten, Drachen. Das Geflimmer wurde immer rasender. (BILD, Datum leider unbekannt)

Einen netten Fund hab ich heute beim Ausmisten gemacht: Anfang der 90er (leider hatte ich es damals noch nicht so mit dem Beschriften, es dürfte um das Jahr 1992 gewesen sein), Nintendo machte gerade mit dem ersten GameBoy großen Reibach, tobte eine Debatte über die plötzlich erkannten Gefahren der Videospiele durch epileptische Anfälle. Hunderte von Kindern sollen betroffen gewesen sein, die ersten Todesfälle standen quasi schon vor der Haustür. Das oben beschriebene Horrorgame ist übrigens Super Mario Bros. 3 (und nebenbei, für alle die es nicht kennen, imho eines der besten Videospiele aller Zeiten). Wobei ich jetzt schon ne ganze Weile drüber nachdenke und mir ziemlich sicher bin, dass darin keine Drachen vorkommen.

Die Debatte erinnert frappierend an die heutige Killerspiel-Hysterie. Die Gründe sind austauschbar, aber das mit den »Computerspielen«, das ist ja irgendwie suspekt. Ob die Kiddies jetzt zu Epilepsie-Zombies oder Serienmördern werden, darüber entscheidet dann wohl das fortgeschrittene Jahrzehnt.

Nachrichten vom Tag

Wednesday, April 18. 2007, 17:52
Schlagzeile der tagesschau:
Zypries erklärt die Vorratsdatenspeicherung: »Wir bauen die Bürgerrechte aus«
Interessante Perspektive. Ich tippe auf starke Halluzinogene oder ähnliche wahrnehmungsverändernden Substanzen.

Schäuble erklärt dem Stern, dass im Anti-Terror-Kampf die Unschuldsvermutung nicht gelten kann. Man kann das für Skandalös halten. Alle, die in den vergangenen Jahren Schleierfahrung, verdachtsunabhängige Personenkontrollen, biometrische Pässe und letztendlich die Vorratsdatenspeicherung durchgewunken haben, sollten dies lieber nicht tun. Schäuble spricht nur aus, was de facto längst Realität ist.

Es gibt bislang keine Hinweise, dass der Amokläufer von Blacksburg Computerspieler war. Dass die Killerspiele Schuld sind, steht trotzdem schon so gut wie fest (via heise).
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