Thursday, December 22. 2005
blogmeister.de

Es heißt das Weblog oder das Blog, weil es von Log, dem englischen Wort für Tagebuch kommt.
Substantivierte Verben schreibt man groß. Auch nach der Rechtschreibreform. Bei blogmeister.de benötigst »Du keinerlei technische Kenntnisse, was das erstellen von Internetseiten betrifft.« Außerdem wünscht blogmeister.de »Dir viel Spass beim bloggen«.
»Du« schreibt man eigentlich auch klein, aber das ist stilistisch erlaubt, das groß zu schreiben.
Der neueste Blog bei blogmeister.de trägt den vielsagenden Titel »?« und wurde zuletzt »aktualisiert 1 Januar 0«.
blogmeister.de könnte mal jemanden brauchen, der die Grundregeln deutscher Rechtschreibung beherrscht. blogmeister.de könnte ebenfalls mal jemanden brauchen, der HTML beherrscht (siehe Bild oder blogmeister.de->Blogliste).
Der am »häufigsten gelesene Blogmeister Artikel der letzten 7 Tage« wurde ganze 76 mal gelesen. Ich hoffe deren Server bricht heute nicht zusammen.
Tuesday, December 20. 2005
43. Mersenne Primzahl gefunden
Das GIMPS-Projekt vermeldet die Entdeckung der 43. Mersenne-Primzahl und damit der bisher größten bekannten Primzahl. Die Zahl wird jetzt nochmal überprüft und dann in wenigen Tagen veröffentlicht.
Was ich heute zum Anlaß nehme, ein bißchen was über Primzahlen zu erzählen, weil ich das ein unheimlich spannendes Thema finde.
Einführung für Nicht-Mathematiker
Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl, welche exakt zwei Teiler besitzt, die 1 und sich selbst. Primzahlen sind etwa 2, 3, 5, 7, 11, 13, ...
Relevanz von Primzahlen
Die größte Relevanz haben Primzahlen in der Public-Key-Kryptographie - so basiert etwa das weitverbreitete RSA-Verfahren auf der Tatsache, dass es einfach ist, zwei große Primzahlen miteinander zu multiplizieren, jedoch nur mit großen Rechenaufwand möglich, das Ergebnis wieder in seine Primzahlen zu zerlegen.
Die Kryptographie und die damit verbundene Zahlentheorie sind ein Beispiel für eine Wissenschaft, die lange Zeit aus rein theoretischen Erwägungen durchgeführt wurde und dann aufgrund der technischen Entwicklung plötzlich zu großer Relevanz führte.
Primzahlen erkennen
Ein bis vor wenigen Jahren ungelöstes Rätsel war es, ob ein ein effizienter (mathematisch: polynomialen) Algorithmus existiert, welcher eine Primzahl erkennt. Lange Zeit wurden hierfür lediglich Näherungsverfahren angewendet, die lediglich mit sehr hoher Warscheinlichkeit feststellen, ob eine Zahl prim ist. Erst 2001 gelang es drei indischen Wissenschaftlern mit dem AKS-Test einen solchen Algorithmus zu entwickeln.
Illegale Primzahl
Die erste bekannte Primzahl, die nach dem amerikanischen DMCA (inzwischen auch in der EU) illegal ist, enthält den Code des DVD-Entschlüsselungstools DeCSS.
Ungelöste Primzahl-Probleme
Die Beschäftigung mit Primzahlen bietet Perspektiven - es gibt eine ganze Reihe ungelöster Primzahl-Probleme:
Große Primzahlen: Die oben angesprochenen Mersenne-Primzahlen sind bislang die effizienteste Methode, extrem große Primzahlen (mit mehreren tausend Stellen) zu erzeugen. Dabei handelt es sich um Zahlen der Form 2^n-1. Obwohl es sehr leicht möglich ist, mit dem Euklidschen Primzahlbeweis zu zeigen, dass es unendlich viele und damit unendlich große Primzahlen gibt, gibt es bislang keine Methode, aus dem Euklidschen Beweis ein einfaches Verfahren zur Erzeugung beliebig großer Primzahlen zu entwickeln. Ein solches würde einem auch gleich die diversen Preise der EFF für die Entdeckung großer Primzahlen bescheren.
Primzahl-Zwillinge: Es ist bislang nicht bekannt, ob es unendlich viele Primzahl-Zwillinge gibt. Primzahl-Zwillinge sind zwei Primzahlen, die sich lediglich um 2 unterscheiden, also etwa 3 und 5, 11 und 13 etc. Daran schließt sich die Frage an, ob es unendlich viele Primzahlvierlinge, d. h. Primzahlen der Form n, n+2, n+6, n+8 gibt (beispielsweise 5, 7, 11, 13). Lässt sich natürlich beliebig fortsetzen.
Schneller Primzahltest: Zwar existiert mit dem AKS-Algorithmus ein polynomialer Algorithmus zur Bestimmung von Primzahlen, jedoch ist dieser noch sehr langsam - in allen praktischen Anwendungen, etwa in der Kryptographie, werden weiterhin Näherungsverfahren angewandt. Eine Optimierung des AKS-Algorithmus oder ein neuartiger Algorithmus, der auch in praktischen Anwendungen (Zahlen bis 4096 Bit) schnell ist, wäre hier eine spannende Entdeckung.
Goldbachsche Vermutung: Lässt sich jede Gerade Zahl größer 2 als Summe aus zwei Primzahlen darstellen (2+2=4, 3+3=6, 3+5=8, 3+7=10 etc.)? Funktioniert für alle getesteten Zahlenräume, indes, der Beweis fehlt, obwohl es so einfach aussieht.
Faktorisierung: Die wohl spannendste Frage, gibt es eine Möglichkeit, große Zahlen effizient in ihre Primfaktoren zu zerlegen? Ein solches würde fast die gesamte heute angewandte Kryotpgraphie unbrauchbar machen. Man geht heute davon aus, dass Primzahlen bis 1024 Bit mit großen finanziellen Aufwand brechbar sind (nach Twirl googeln oder mal den Wikipedia-Artikel dafür schreiben). Die Firma RSA-Security zahlt Preisgelder für die Faktorisierung großer Zahlen - die Zahl RSA-640 (steht für die Bit-Zahl) wurde bereits faktorisiert, als nächstes steht RSA-704 an. Das Thema wurde bereits in mehreren Filmen verarbeitet (Mercury-Puzzle, Sneakers).
Mit einem Quantencomputer wäre eine effiziente Faktorisierung möglich - mit dem SHOR-Algorithmus - ein solcher Quantencomputer existiert jedoch bislang nur in der Theorie.
Wikipedia hat noch ein paar Probleme parat. An einem anderen Problem war ich auch schonmal dran (hat aber nix mit Primzahlen zu tun), aber welches verrat ich jetzt nicht - sonst nimmt es mir noch jemand weg ;-)
Etwas, wozu ich bei kurzer Recherche keine verifizierbaren Infos gefunden hab: Es gibt immer wieder Berichte von Fällen, in denen Autisten mit großer Geschwindigkeit Primzahlen erkennen konnten - ebenfalls in einigen Filmen verwandt (The Cube, Rainman). Urban-Legend oder gibt's dazu wissenschaftliche Ergebnisse?
Ich hoffe alles war soweit inhaltlich richtig, Mathematiker mögen mich korrigieren.
Zu guter letzt ein Zitat aus dem heise-Forum. Ein Teilnehmer fragte
kann man mit dieser zahl jetzt irgendwas sinnvolles anfangen?
woraufhin ein anderer antwortete
Kann man mit der Fußball-WM irgendwas sinnvolles anfangen?
Genau!
Was ich heute zum Anlaß nehme, ein bißchen was über Primzahlen zu erzählen, weil ich das ein unheimlich spannendes Thema finde.
Einführung für Nicht-Mathematiker
Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl, welche exakt zwei Teiler besitzt, die 1 und sich selbst. Primzahlen sind etwa 2, 3, 5, 7, 11, 13, ...
Relevanz von Primzahlen
Die größte Relevanz haben Primzahlen in der Public-Key-Kryptographie - so basiert etwa das weitverbreitete RSA-Verfahren auf der Tatsache, dass es einfach ist, zwei große Primzahlen miteinander zu multiplizieren, jedoch nur mit großen Rechenaufwand möglich, das Ergebnis wieder in seine Primzahlen zu zerlegen.
Die Kryptographie und die damit verbundene Zahlentheorie sind ein Beispiel für eine Wissenschaft, die lange Zeit aus rein theoretischen Erwägungen durchgeführt wurde und dann aufgrund der technischen Entwicklung plötzlich zu großer Relevanz führte.
Primzahlen erkennen
Ein bis vor wenigen Jahren ungelöstes Rätsel war es, ob ein ein effizienter (mathematisch: polynomialen) Algorithmus existiert, welcher eine Primzahl erkennt. Lange Zeit wurden hierfür lediglich Näherungsverfahren angewendet, die lediglich mit sehr hoher Warscheinlichkeit feststellen, ob eine Zahl prim ist. Erst 2001 gelang es drei indischen Wissenschaftlern mit dem AKS-Test einen solchen Algorithmus zu entwickeln.
Illegale Primzahl
Die erste bekannte Primzahl, die nach dem amerikanischen DMCA (inzwischen auch in der EU) illegal ist, enthält den Code des DVD-Entschlüsselungstools DeCSS.
Ungelöste Primzahl-Probleme
Die Beschäftigung mit Primzahlen bietet Perspektiven - es gibt eine ganze Reihe ungelöster Primzahl-Probleme:
Große Primzahlen: Die oben angesprochenen Mersenne-Primzahlen sind bislang die effizienteste Methode, extrem große Primzahlen (mit mehreren tausend Stellen) zu erzeugen. Dabei handelt es sich um Zahlen der Form 2^n-1. Obwohl es sehr leicht möglich ist, mit dem Euklidschen Primzahlbeweis zu zeigen, dass es unendlich viele und damit unendlich große Primzahlen gibt, gibt es bislang keine Methode, aus dem Euklidschen Beweis ein einfaches Verfahren zur Erzeugung beliebig großer Primzahlen zu entwickeln. Ein solches würde einem auch gleich die diversen Preise der EFF für die Entdeckung großer Primzahlen bescheren.
Primzahl-Zwillinge: Es ist bislang nicht bekannt, ob es unendlich viele Primzahl-Zwillinge gibt. Primzahl-Zwillinge sind zwei Primzahlen, die sich lediglich um 2 unterscheiden, also etwa 3 und 5, 11 und 13 etc. Daran schließt sich die Frage an, ob es unendlich viele Primzahlvierlinge, d. h. Primzahlen der Form n, n+2, n+6, n+8 gibt (beispielsweise 5, 7, 11, 13). Lässt sich natürlich beliebig fortsetzen.
Schneller Primzahltest: Zwar existiert mit dem AKS-Algorithmus ein polynomialer Algorithmus zur Bestimmung von Primzahlen, jedoch ist dieser noch sehr langsam - in allen praktischen Anwendungen, etwa in der Kryptographie, werden weiterhin Näherungsverfahren angewandt. Eine Optimierung des AKS-Algorithmus oder ein neuartiger Algorithmus, der auch in praktischen Anwendungen (Zahlen bis 4096 Bit) schnell ist, wäre hier eine spannende Entdeckung.
Goldbachsche Vermutung: Lässt sich jede Gerade Zahl größer 2 als Summe aus zwei Primzahlen darstellen (2+2=4, 3+3=6, 3+5=8, 3+7=10 etc.)? Funktioniert für alle getesteten Zahlenräume, indes, der Beweis fehlt, obwohl es so einfach aussieht.
Faktorisierung: Die wohl spannendste Frage, gibt es eine Möglichkeit, große Zahlen effizient in ihre Primfaktoren zu zerlegen? Ein solches würde fast die gesamte heute angewandte Kryotpgraphie unbrauchbar machen. Man geht heute davon aus, dass Primzahlen bis 1024 Bit mit großen finanziellen Aufwand brechbar sind (nach Twirl googeln oder mal den Wikipedia-Artikel dafür schreiben). Die Firma RSA-Security zahlt Preisgelder für die Faktorisierung großer Zahlen - die Zahl RSA-640 (steht für die Bit-Zahl) wurde bereits faktorisiert, als nächstes steht RSA-704 an. Das Thema wurde bereits in mehreren Filmen verarbeitet (Mercury-Puzzle, Sneakers).
Mit einem Quantencomputer wäre eine effiziente Faktorisierung möglich - mit dem SHOR-Algorithmus - ein solcher Quantencomputer existiert jedoch bislang nur in der Theorie.
Wikipedia hat noch ein paar Probleme parat. An einem anderen Problem war ich auch schonmal dran (hat aber nix mit Primzahlen zu tun), aber welches verrat ich jetzt nicht - sonst nimmt es mir noch jemand weg ;-)
Etwas, wozu ich bei kurzer Recherche keine verifizierbaren Infos gefunden hab: Es gibt immer wieder Berichte von Fällen, in denen Autisten mit großer Geschwindigkeit Primzahlen erkennen konnten - ebenfalls in einigen Filmen verwandt (The Cube, Rainman). Urban-Legend oder gibt's dazu wissenschaftliche Ergebnisse?
Ich hoffe alles war soweit inhaltlich richtig, Mathematiker mögen mich korrigieren.
Zu guter letzt ein Zitat aus dem heise-Forum. Ein Teilnehmer fragte
kann man mit dieser zahl jetzt irgendwas sinnvolles anfangen?
woraufhin ein anderer antwortete
Kann man mit der Fußball-WM irgendwas sinnvolles anfangen?
Genau!
Monday, December 19. 2005
Schmeißt Hirn vom Himmel
So zugetragen heute in einem Karlsruher Buchantiquariat:
Ich: »Ich suche ein Buch von Adorno, Minima Moralia.« Verkäufer: »Hmm, Adorno, das müsste da hinten sein« - geht zu einem Regal, klettert eine Leiter hinauf, »Adorno, Adorno, ... das müsste schon bei Romanen und so sein, oder?« Ich: »Nein, eigentlich garnicht, eher politische Philosophie oder so.« Verkäufer: »Politische Philosophie? Kann man sowas auch lesen, ja?«
»Täte Ihnen bestimmt nicht schaden« wär wohl die passende Antwort gewesen.
Zur Ehrenrettung von Buchantiquariatsverkäufern: In einem anderen hatten sie das zwar auch nicht vorrätig, aber der Angestellte wußte wenigstens, in welchem Regal er suchen muss.
Ich: »Ich suche ein Buch von Adorno, Minima Moralia.« Verkäufer: »Hmm, Adorno, das müsste da hinten sein« - geht zu einem Regal, klettert eine Leiter hinauf, »Adorno, Adorno, ... das müsste schon bei Romanen und so sein, oder?« Ich: »Nein, eigentlich garnicht, eher politische Philosophie oder so.« Verkäufer: »Politische Philosophie? Kann man sowas auch lesen, ja?«
»Täte Ihnen bestimmt nicht schaden« wär wohl die passende Antwort gewesen.
Zur Ehrenrettung von Buchantiquariatsverkäufern: In einem anderen hatten sie das zwar auch nicht vorrätig, aber der Angestellte wußte wenigstens, in welchem Regal er suchen muss.
Sunday, December 18. 2005
Bill Gates, das Time Magazin und die Bekämpfung der Armut
Das Time Magazin hat U2-Sänger Bono, sowie Bill Gates und dessen Frau Melinda als »Persons of the year« für ihr Engagement gegen Hunger und Armut ausgezeichnet.
Die Auszeichnung von Bill Gates stößt mir hier übel auf. Die Tagesschau schreibt hierzu, "So verwaltet die gemeinsame Stiftung der Gates 29 Milliarden Dollar, mit denen zum Beispiel die Entwicklung von Impfstoffen finanziert wird, die sonst niemand bezahlen will."
Mir kam als erstes der Gedanke "die vielleicht garnicht so teuer sein müssten, gäbe es nicht ein absurdes Patentsystem, welches Profite über Menschenleben stellt". Die Verbindung mag nicht sofort einleuchten, jedoch muss man feststellen, wenn man die Entwicklung auf internationaler Ebene betrachtet, dass die Debatte um »geistige Eigentumsrechte« 1, also in erster Linie Copyrights und Patente, meist gemeinsam geführt wird. Insbesondere das TRIPS-Abkommen der WTO ist hier zu erwähnen, welches international die Verschärfung von »geistigen Eigentumsrechten« vorantreibt und eben auch dafür verantwortlich ist, dass Pharmakonzerne gegen Entwicklungslänger klagen können, die Generika (d. h. kostengünstige Kopien von teuren Medikamenten) herstellen. International bekannt wurde 2001 eine Klage von 40 internationalen Pharmakonzernen gegen Südafrika um AIDS-Medikamente.
Und zu den Lobbyisten für eine verschärfte Auslegung gehört eindeutig die Firma Microsoft.
Auch an anderen Stellen hat die Frage nach »geistigen Eigentumsrechten« häufig Relevanz für Entwicklungsländer, aus dem schlichten Grund, dass sie aufgrund ihrer verspäteten Industrialisierung kaum die Möglichkeit hatten, »geistiges Kapital« anzuhäufen. So haben sich auf vergangenen internationalen Gipfeln der WTO und der WIPO immer wieder Entwicklungsländer und NGOs gegen Verschärfungen in diesem Bereich ausgesprochen.
Insbesondere in Brasilien2, aber auch in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern, wird seit einigen Jahren massiv freie Software gefördert, weil diese oft die einzige Möglichkeit sind, die hohen kosten für eine EDV-Ausstattung finanziert zu bekommen. Freie Software bietet hier große Chancen. Mit welchen Mitteln Microsoft gegen freie Software agitiert, brauche ich ja kaum zu erwähnen.
Insofern ist die Auszeichnung von Bill Gates ein sehr problematisches Signal. Es stellt sich die Grundsatzfrage, ob man Hilfe für die Armutsregionen dieser Welt in rein karitativer Art und Weise bei Aufrechterhaltung der Abhängigkeitsstrukturen betreiben will oder ob man strukturelle Änderungen anstrebt, die eine Chance bieten, am Reichtum stärker teilzuhaben. Das Engagement von Bill Gates ist eben nur ersteres.
1 Ich benutze den Begriff »geistige Eigentumsrechte« bewußt in Anführungszeichen, weil der Begriff stark ideologisch vorbelastet ist und auch häufig kritisiert wird. Mir ist jedoch kein anderer in der öffentliche Debatte geläufiger Oberbegriff für den Themenkomplex bekannt.
2 Ich bin trotz allem kein Freund einer allzu großen idealisierung der brasilianischen Regierung, insbesondere im Bezug auf die Landlosenbewegung.
Update: Der Observer-Journalist Greg Palast hat schon vor längerer Zeit ähnliches geschrieben, er drückt sich da etwas drastischer aus.
Die Auszeichnung von Bill Gates stößt mir hier übel auf. Die Tagesschau schreibt hierzu, "So verwaltet die gemeinsame Stiftung der Gates 29 Milliarden Dollar, mit denen zum Beispiel die Entwicklung von Impfstoffen finanziert wird, die sonst niemand bezahlen will."
Mir kam als erstes der Gedanke "die vielleicht garnicht so teuer sein müssten, gäbe es nicht ein absurdes Patentsystem, welches Profite über Menschenleben stellt". Die Verbindung mag nicht sofort einleuchten, jedoch muss man feststellen, wenn man die Entwicklung auf internationaler Ebene betrachtet, dass die Debatte um »geistige Eigentumsrechte« 1, also in erster Linie Copyrights und Patente, meist gemeinsam geführt wird. Insbesondere das TRIPS-Abkommen der WTO ist hier zu erwähnen, welches international die Verschärfung von »geistigen Eigentumsrechten« vorantreibt und eben auch dafür verantwortlich ist, dass Pharmakonzerne gegen Entwicklungslänger klagen können, die Generika (d. h. kostengünstige Kopien von teuren Medikamenten) herstellen. International bekannt wurde 2001 eine Klage von 40 internationalen Pharmakonzernen gegen Südafrika um AIDS-Medikamente.
Und zu den Lobbyisten für eine verschärfte Auslegung gehört eindeutig die Firma Microsoft.
Auch an anderen Stellen hat die Frage nach »geistigen Eigentumsrechten« häufig Relevanz für Entwicklungsländer, aus dem schlichten Grund, dass sie aufgrund ihrer verspäteten Industrialisierung kaum die Möglichkeit hatten, »geistiges Kapital« anzuhäufen. So haben sich auf vergangenen internationalen Gipfeln der WTO und der WIPO immer wieder Entwicklungsländer und NGOs gegen Verschärfungen in diesem Bereich ausgesprochen.
Insbesondere in Brasilien2, aber auch in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern, wird seit einigen Jahren massiv freie Software gefördert, weil diese oft die einzige Möglichkeit sind, die hohen kosten für eine EDV-Ausstattung finanziert zu bekommen. Freie Software bietet hier große Chancen. Mit welchen Mitteln Microsoft gegen freie Software agitiert, brauche ich ja kaum zu erwähnen.
Insofern ist die Auszeichnung von Bill Gates ein sehr problematisches Signal. Es stellt sich die Grundsatzfrage, ob man Hilfe für die Armutsregionen dieser Welt in rein karitativer Art und Weise bei Aufrechterhaltung der Abhängigkeitsstrukturen betreiben will oder ob man strukturelle Änderungen anstrebt, die eine Chance bieten, am Reichtum stärker teilzuhaben. Das Engagement von Bill Gates ist eben nur ersteres.
1 Ich benutze den Begriff »geistige Eigentumsrechte« bewußt in Anführungszeichen, weil der Begriff stark ideologisch vorbelastet ist und auch häufig kritisiert wird. Mir ist jedoch kein anderer in der öffentliche Debatte geläufiger Oberbegriff für den Themenkomplex bekannt.
2 Ich bin trotz allem kein Freund einer allzu großen idealisierung der brasilianischen Regierung, insbesondere im Bezug auf die Landlosenbewegung.
Update: Der Observer-Journalist Greg Palast hat schon vor längerer Zeit ähnliches geschrieben, er drückt sich da etwas drastischer aus.
Saturday, December 17. 2005
Nochmal zu Trutz Hardo / Polylux
Jutta Ditfurth hat, als Reaktion auf die Polylux-Sendung über den Esoteriker Trutz Hardo, eine formale Beschwerde an den Rundfunkrat Berlin-Brandenburg verfasst, welche ich hier einfach mal zur Kenntnis veröffentliche. Sollte es weitere Entwicklungen dazu geben, halte ich Euch auf dem Laufenden.
Update: Ein Artikel in der Berliner Morgenpost und einer in der Frankfurter Rundschau über die Sitzung des Rundfunkrates.
Update: Ein Artikel in der Berliner Morgenpost und einer in der Frankfurter Rundschau über die Sitzung des Rundfunkrates.
Posted by Hanno Böck
in Politics
at
13:13
| Comments (3)
| Trackback (1)
Defined tags for this entry: trutzhardo
Friday, December 16. 2005
Offener Brief an Herrn Frankenberg und Herrn Öttinger
Sehr geehrter Herr Frankenberg,
sehr geehrter Herr Öttinger,
sie haben heute ein Gesetz auf den Weg gebracht, nach welchem ab 2007 jeder Student 500 € Studiengebühren pro Semester zu zahlen hat. Das ist in Ordnung. Okay, so richtig cool ist das nicht. Aber das macht nichts.
Vielen von uns ist das egal, weil sie bis 2007 sowieso nicht mehr studieren. Viele haben auch reiche Eltern, insofern auch kein Problem.
Dann gibt es noch die große Gruppe derer, die vielleicht gegen Studiengebühren wäre, wenn sie sich schonmal Gedanken drüber gemacht hätten. Haben sie aber nicht. Und dann gibt's noch die, die heute aufgewacht sind, die Nachrichten gehört haben und erstmal dachten »Studiengebühren? Das hör ich ja heute zum ersten Mal.«
Achja, und dann gibt's noch die, die eigentlich gegen Studiengebühren sind. Aber auf Demonstrationen gehen die nicht. Sowas tut man nicht. Das ist nämlich ganz bäh, da gehen nur Chaoten hin.
Achja, um die kleine Gruppe unverbesserlicher, die eben genannten Chaoten, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Da rufen Sie die Stuttgarter Pferdestaffel, dann ist da Ruhe. Kennen Sie ja.
Im Übrigen: Falls sie die Erhöhung der Studiengebühren auf 2000 € / Semester planen, machen sie sich keine Sorgen. Abschaffung des Diploms und nur noch Bachelor/Master? Kein Streß, das geht schon. NC für alle Fächer? Logo. Privatisierung aller Unis? Okay, vielleicht eins nach dem anderen, aber das geht auch, vielleicht in ein paar Jahren. Wegen uns brauchen sie sich da jedenfalls keine Sorgen machen.
Gezeichnet,
Ihre Studenten in Baden-Württemberg (oder zumindest 95% davon)
Man verzeihe mir meinen Sarkasmus.
sehr geehrter Herr Öttinger,
sie haben heute ein Gesetz auf den Weg gebracht, nach welchem ab 2007 jeder Student 500 € Studiengebühren pro Semester zu zahlen hat. Das ist in Ordnung. Okay, so richtig cool ist das nicht. Aber das macht nichts.
Vielen von uns ist das egal, weil sie bis 2007 sowieso nicht mehr studieren. Viele haben auch reiche Eltern, insofern auch kein Problem.
Dann gibt es noch die große Gruppe derer, die vielleicht gegen Studiengebühren wäre, wenn sie sich schonmal Gedanken drüber gemacht hätten. Haben sie aber nicht. Und dann gibt's noch die, die heute aufgewacht sind, die Nachrichten gehört haben und erstmal dachten »Studiengebühren? Das hör ich ja heute zum ersten Mal.«
Achja, und dann gibt's noch die, die eigentlich gegen Studiengebühren sind. Aber auf Demonstrationen gehen die nicht. Sowas tut man nicht. Das ist nämlich ganz bäh, da gehen nur Chaoten hin.
Achja, um die kleine Gruppe unverbesserlicher, die eben genannten Chaoten, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Da rufen Sie die Stuttgarter Pferdestaffel, dann ist da Ruhe. Kennen Sie ja.
Im Übrigen: Falls sie die Erhöhung der Studiengebühren auf 2000 € / Semester planen, machen sie sich keine Sorgen. Abschaffung des Diploms und nur noch Bachelor/Master? Kein Streß, das geht schon. NC für alle Fächer? Logo. Privatisierung aller Unis? Okay, vielleicht eins nach dem anderen, aber das geht auch, vielleicht in ein paar Jahren. Wegen uns brauchen sie sich da jedenfalls keine Sorgen machen.
Gezeichnet,
Ihre Studenten in Baden-Württemberg (oder zumindest 95% davon)
Man verzeihe mir meinen Sarkasmus.
Thursday, December 15. 2005
Freie Medien, Objektivität und Korrektheit von Informationen
Es scheint ja gerade mal wieder Hipp zu sein, sich als Wikipedia-Kritiker zu gerieren und die angeblich mangelhafte Qualität selbiger zu rügen. Ein häufig wiederkehrendes Argumentationsmuster gegen Wikis, Blogs und andere freie/alternative Netzmedien.
Die Argumentationsmuster laufen da ja immer ähnlich ab, nach dem Schema "da kann ja jeder was schreiben und deswegen kann das natürlich auch falsch sein und ist überhaupt nicht objektiv". Soweit stimmt das. Was die Kritiker meist vergessen, ist, irgendeinen Vergleichsmaßstab aufzumachen.
Um das mal an einem etwas plastischen Beispiel deutlich zu machen: Es gibt eine Zeitung, die von sich behaupten darf, die meistverkaufte Zeitung in Deutschland zu sein. Es gibt ein Blog, welches sich täglich mit selbiger Zeitung und deren Fehler beschäftigt. Nicht dass ich das jetzt sonderlich spannend finde, aber es macht die Unhaltbarkeit der o. g. Kritik deutlich.
Eine Kritik, die Blogs und Wikis Subjektivität und Fehlerhaftigkeit vorwirft, geht erstmal automatisch davon aus, dass die konventionellen Medien mit einer »richtigen Redaktion« automatisch objektiver und sachlich richtig seien. Die BILD ist nur ein besonders krasses Beispiel, mit dem Dilletantismus von manchen Journalien könnte man jeden Tag Bücher füllen.
Worum es doch gehen muss: Jedes Medium, egal ob Blog, Wiki, Zeitung oder Fernsehen, wird von Menschen gemacht - Menschen, die die Inhalte subjektiv beeinflussen, Menschen, die durch Werbeabteilungen, Vorgesetzte, Chefs, gesellschaftliche Zwänge etc. in ihrem Urteil beeinträchtigt sind. Das ist bei freien Medien nicht mehr der Fall als bei anderen (imho eher weniger, weil keine direkte Abhängigkeit besteht). Und wenn Blogs und Wikis dazu beitragen, dies deutlich zu machen und eben klarzumachen, dass man selbiges bei Medienkonsum IMMER im Hinterkopf haben sollte, wäre schon viel gewonnen.
Ob eher »freie« oder eher konventionelle Medien objektiver, korrekter oder allgemein besser sind, lässt sich schwer generell festmachen. So schlecht scheint die Wikipedia dabei nicht abzuschneiden, wie ein Vergleich mit der Encyclopaedia Britannica, durchgeführt von der Zeitschrift Nature, feststellt.
Ein schönes Einzelbeispiel findet sich auch hier im Blog der Grünen Jugend.
Die Argumentationsmuster laufen da ja immer ähnlich ab, nach dem Schema "da kann ja jeder was schreiben und deswegen kann das natürlich auch falsch sein und ist überhaupt nicht objektiv". Soweit stimmt das. Was die Kritiker meist vergessen, ist, irgendeinen Vergleichsmaßstab aufzumachen.
Um das mal an einem etwas plastischen Beispiel deutlich zu machen: Es gibt eine Zeitung, die von sich behaupten darf, die meistverkaufte Zeitung in Deutschland zu sein. Es gibt ein Blog, welches sich täglich mit selbiger Zeitung und deren Fehler beschäftigt. Nicht dass ich das jetzt sonderlich spannend finde, aber es macht die Unhaltbarkeit der o. g. Kritik deutlich.
Eine Kritik, die Blogs und Wikis Subjektivität und Fehlerhaftigkeit vorwirft, geht erstmal automatisch davon aus, dass die konventionellen Medien mit einer »richtigen Redaktion« automatisch objektiver und sachlich richtig seien. Die BILD ist nur ein besonders krasses Beispiel, mit dem Dilletantismus von manchen Journalien könnte man jeden Tag Bücher füllen.
Worum es doch gehen muss: Jedes Medium, egal ob Blog, Wiki, Zeitung oder Fernsehen, wird von Menschen gemacht - Menschen, die die Inhalte subjektiv beeinflussen, Menschen, die durch Werbeabteilungen, Vorgesetzte, Chefs, gesellschaftliche Zwänge etc. in ihrem Urteil beeinträchtigt sind. Das ist bei freien Medien nicht mehr der Fall als bei anderen (imho eher weniger, weil keine direkte Abhängigkeit besteht). Und wenn Blogs und Wikis dazu beitragen, dies deutlich zu machen und eben klarzumachen, dass man selbiges bei Medienkonsum IMMER im Hinterkopf haben sollte, wäre schon viel gewonnen.
Ob eher »freie« oder eher konventionelle Medien objektiver, korrekter oder allgemein besser sind, lässt sich schwer generell festmachen. So schlecht scheint die Wikipedia dabei nicht abzuschneiden, wie ein Vergleich mit der Encyclopaedia Britannica, durchgeführt von der Zeitschrift Nature, feststellt.
Ein schönes Einzelbeispiel findet sich auch hier im Blog der Grünen Jugend.
Posted by Hanno Böck
in Computer culture, Copyright, Politics
at
19:35
| Comments (0)
| Trackbacks (0)
Wednesday, December 14. 2005
ARD-Sendung Polylux fischt im braunen Sumpf zwischen Esoterik und Holocaustverharmlosung
Mit dem Satz »Jetzt ist bewiesen: Jeder hatte schon viele Leben.« beginnt ein Beitrag der ARD-Sendung Polylux über den Esoteriker Trutz Hardo.
Was sich wie Realsatire anhört, ist offenbar ernst gemeint: Die Sendung ist unverholene Werbung für einen durchgeknallten Spinner, der für teures Geld Menschen anbietet, unter Hypnose in ihren früheren Leben zu wühlen. Selbst Krebs kann man damit heilen, wenn man erstmal die Ursachen kennt.
Das wär jetzt allein schon schlimm genug, aber es kommt noch dicker: So wird, völlig unkritisch, in der Sendung die Aussage getätigt: »Wird eine Frau vergewaltigt, hat sie als Mann einst selber vergewaltigt.« Die absurde Argumentation, Opfer sexueller Gewalt seien sowieso selbst Schuld, kreativ neu verpackt. Die Aussage "Die Juden sind selbst schuld am Holocaust" wäre vermutlich doch zu viel gewesen für eine Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Selbige kann man dafür in Hardos Büchern nachlesen: "Doch bedenke, nicht er hat den Juden das Schicksal der Gaskammern zuerteilt, sondern jene haben es sich selbst ausgesucht, denn nichts geschah gegen ihren Wunsch und ihren Willen."
Trutz Hardo stand wegen derartiger Aussagen bereits vor Gericht. Seine Gesinnung hätte man über eine simple Google-Recherche in wenigen Minuten herausfinden können. Insofern kann man der ARD-Reporterin nur gnadenlose Dummheit oder tatsächliche Sympathie mit dem braunen Gedankengut unterstellen.
Indes, selbst ohne die antisemitischen Ausfälle des »Reinkarnations-Experten« ist der Beitrag skandalös genug.
Via Volker Radke, der dazu eine Pressemitteilung von Jutta Ditfurth veröffentlicht hat.
Update: Im Forum des RBB gibt es eine Stellungnahme eines Volker Heimann, Polylux-Journalist, in welchem dieser meint, der Beitrag sei satirisch gewesen. Ich bitte im Zweifel meine geneigten Blog-Leser, sich den Beitrag selbst anzuschauen. Wenn man mal prinzipiell davon ausgeht, dass es Menschen gibt, die derartiges ernst nehmen, ist es zumindest eine sehr mißverständliche Satire..
Sollte der Beitrag wirklich satirisch gemeint sein, hat Herr Heimann eine meiner Meinung nach verschobene Wahrnehmung über den durchschnittlichen Fernsehzuschauers. Natürlich wird sich ein Großteil selbiger seinen Teil gedacht haben, jedoch in einer Zeit, in der Wahrsagersendungen und ähnliches zum Normalbetrieb im Fernsehen gehören, ist dies wohl alles andere als Selbstverständlich.
Was sich wie Realsatire anhört, ist offenbar ernst gemeint: Die Sendung ist unverholene Werbung für einen durchgeknallten Spinner, der für teures Geld Menschen anbietet, unter Hypnose in ihren früheren Leben zu wühlen. Selbst Krebs kann man damit heilen, wenn man erstmal die Ursachen kennt.
Das wär jetzt allein schon schlimm genug, aber es kommt noch dicker: So wird, völlig unkritisch, in der Sendung die Aussage getätigt: »Wird eine Frau vergewaltigt, hat sie als Mann einst selber vergewaltigt.« Die absurde Argumentation, Opfer sexueller Gewalt seien sowieso selbst Schuld, kreativ neu verpackt. Die Aussage "Die Juden sind selbst schuld am Holocaust" wäre vermutlich doch zu viel gewesen für eine Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Selbige kann man dafür in Hardos Büchern nachlesen: "Doch bedenke, nicht er hat den Juden das Schicksal der Gaskammern zuerteilt, sondern jene haben es sich selbst ausgesucht, denn nichts geschah gegen ihren Wunsch und ihren Willen."
Trutz Hardo stand wegen derartiger Aussagen bereits vor Gericht. Seine Gesinnung hätte man über eine simple Google-Recherche in wenigen Minuten herausfinden können. Insofern kann man der ARD-Reporterin nur gnadenlose Dummheit oder tatsächliche Sympathie mit dem braunen Gedankengut unterstellen.
Indes, selbst ohne die antisemitischen Ausfälle des »Reinkarnations-Experten« ist der Beitrag skandalös genug.
Via Volker Radke, der dazu eine Pressemitteilung von Jutta Ditfurth veröffentlicht hat.
Update: Im Forum des RBB gibt es eine Stellungnahme eines Volker Heimann, Polylux-Journalist, in welchem dieser meint, der Beitrag sei satirisch gewesen. Ich bitte im Zweifel meine geneigten Blog-Leser, sich den Beitrag selbst anzuschauen. Wenn man mal prinzipiell davon ausgeht, dass es Menschen gibt, die derartiges ernst nehmen, ist es zumindest eine sehr mißverständliche Satire..
Sollte der Beitrag wirklich satirisch gemeint sein, hat Herr Heimann eine meiner Meinung nach verschobene Wahrnehmung über den durchschnittlichen Fernsehzuschauers. Natürlich wird sich ein Großteil selbiger seinen Teil gedacht haben, jedoch in einer Zeit, in der Wahrsagersendungen und ähnliches zum Normalbetrieb im Fernsehen gehören, ist dies wohl alles andere als Selbstverständlich.
Posted by Hanno Böck
in Politics
at
20:05
| Comments (9)
| Trackbacks (3)
Defined tags for this entry: trutzhardo
Data Retention / Vorratsdatenspeicherung beschlossen
Man verspürt so ein Gefühl der Ohnmacht - »mal nebenbei«, gänzlich ohne eine ernsthafte, öffentliche Debatte über das Thema, findet wieder eine Demontage der wenigen Freiheiten, die man theoretisch in einer beschissenen bürgerlichen Gesellschaft noch hat, statt. Der Kampf gegen den Terrorismus entschuldigt alles, auch wenn an der einen Stelle gerade nur allzu deutlich wird, wohin das führt, scheint das kein Anlaß zu sein, die absurde Paranoia an anderer Stelle nochmal zu überdenken.
Ich nehm mir das heute zum Anlaß, tor wieder zu aktivieren (was ich in der Vergangenheit aus Faulheit hatte schleifen lassen) und mir Gedanken zu machen, wie ich vielleicht ein paar mehr Leuten, insbesondere den technisch weniger bewandten, die Basiskenntnisse einer halbwegs abgesicherten und annonymen Kommunikation ermöglichen kann - das haben sie uns, zumindest bisher, noch nicht verboten.
Netzpolitik berichtet über die Einzelheiten.
Ich nehm mir das heute zum Anlaß, tor wieder zu aktivieren (was ich in der Vergangenheit aus Faulheit hatte schleifen lassen) und mir Gedanken zu machen, wie ich vielleicht ein paar mehr Leuten, insbesondere den technisch weniger bewandten, die Basiskenntnisse einer halbwegs abgesicherten und annonymen Kommunikation ermöglichen kann - das haben sie uns, zumindest bisher, noch nicht verboten.
Netzpolitik berichtet über die Einzelheiten.
Sunday, December 11. 2005
Filmkritik »Der König von Narnia«
Disclaimer: Diesen Film werde ich vollständig subjektiv bewerten. Man könnte vermutlich einen Haufen schreiben über fragwürdige Parallelen zu gewissen Großsekten (i. A. Christen genannt), seltsame gut-böse-Schemata, kaum verhohlenen Sexismus und vieles mehr. Ich verbinde jedoch mit den Narnia-Geschichten v. A. ganz viel nostalgische Gefühle mit Geschichten, die mich schon in früherer Kindheit fasziniert haben. Ich habe bereits mehrere Verfilmungen der Geschichten gesehen und die Bücher teilweise mehrmals gelesen.
Nachdem der Erläuterung genüge getan wurde, zum Film: Er verfilmt die wohl bekannteste Geschichte aus den Narnia-Büchern, »Der König von Narnia« (die erste deutschsprachige Übersetzung hieß übrigens »Die Abenteuer im Wandschrank«) und erzählt von vier Geschwistern, die während des 2. Weltkrieges in England im Hause eines leicht verwirrt wirkenden Professors einen alten Schrank ausmachen, der scheinbar manchmal eine zauberhafte Welt beherbergt in welcher die Kinder allerhand Abenteuer erleben. Die Geschichte ist eher schlicht, IMHO auch eins der eher schwächeren Narnia-Bücher, jedoch ist eine derartige Fantasy-Welt voller Faune und anderer Fabelwesen geradezu prädestiniert für eine Blockbuster-Verfilmung. Insofern: Ich hab den Film genossen, einen Haufen nostalgischer Erinnerungen wiederentdeckt und im übrigen festgestellt, dass ich die späteren Narnia-Bücher garnicht alle gelesen hab, was ich bei Gelegenheit nachholen will.
Mit Kenntnis der Bücher fand ich es eher schade, dass die Verfilmung nicht mit dem in der Narnia-Chronologie ersten Buch »Das Wunder von Narnia« (welches übrigens ebenfalls früher unter anderem Namen, AFAIR »Die geheimnisvolle Tür«) anfing. So weiss der gewöhnliche Zuschauer mit der Straßenlaterne nichts anzufangen, kennt die Geschichte des Schrankes nicht und vieles mehr. Der Wald zwischen den Welten und die Entstehung Narnias hätte sicher auch guten Filmstoff abgegeben (davon hab ich noch keine Verfilmung gesehen, gibt's da eine?).
Nachdem der Erläuterung genüge getan wurde, zum Film: Er verfilmt die wohl bekannteste Geschichte aus den Narnia-Büchern, »Der König von Narnia« (die erste deutschsprachige Übersetzung hieß übrigens »Die Abenteuer im Wandschrank«) und erzählt von vier Geschwistern, die während des 2. Weltkrieges in England im Hause eines leicht verwirrt wirkenden Professors einen alten Schrank ausmachen, der scheinbar manchmal eine zauberhafte Welt beherbergt in welcher die Kinder allerhand Abenteuer erleben. Die Geschichte ist eher schlicht, IMHO auch eins der eher schwächeren Narnia-Bücher, jedoch ist eine derartige Fantasy-Welt voller Faune und anderer Fabelwesen geradezu prädestiniert für eine Blockbuster-Verfilmung. Insofern: Ich hab den Film genossen, einen Haufen nostalgischer Erinnerungen wiederentdeckt und im übrigen festgestellt, dass ich die späteren Narnia-Bücher garnicht alle gelesen hab, was ich bei Gelegenheit nachholen will.
Mit Kenntnis der Bücher fand ich es eher schade, dass die Verfilmung nicht mit dem in der Narnia-Chronologie ersten Buch »Das Wunder von Narnia« (welches übrigens ebenfalls früher unter anderem Namen, AFAIR »Die geheimnisvolle Tür«) anfing. So weiss der gewöhnliche Zuschauer mit der Straßenlaterne nichts anzufangen, kennt die Geschichte des Schrankes nicht und vieles mehr. Der Wald zwischen den Welten und die Entstehung Narnias hätte sicher auch guten Filmstoff abgegeben (davon hab ich noch keine Verfilmung gesehen, gibt's da eine?).
Saturday, December 10. 2005
del.icio.us, Web 2.0 and centralized vs. decentralized services
Yesterday del.icio.us, the well known social bookmark service, has been bought by Yahoo. This brings me to share some thoughts I had recently about the thing that everyone calls »Web 2.0«.
Although probably nobody can provide an exact definition on what Web 2.0 is, it's mostly surrounding »social software«, i. e. web-software that is not organized as top-down-communication, but as communication between the users.
The most common example for social software are probably wikis and blogs. What I always saw very critical is that centralized services like flickr and del.icio.us are so popular in the blogosphere and the internet community. They are often called »Web 2.0« as well, although they work completely different. My vision of a free net is a different one.
Now with yahoo buying del.icio.us, the two probably most popular »Web 2.0«-services belong to the same company. The problems with this are obvious: You don't know what Yahoo does with your data (Data Mining), you never know if they're gonna change their terms of use from one day to the other (e. g. limit the number of pictures/links, take money for services that were free before) or even shut down a service because it doesn't match the »shareholder value« (Remember GiMiX? That was social software as well).
In my opinion there is a big discrepance between the ideals of »social software« and letting it depend on one centralized service. I have no problem with hosters that provide free/ad-financed blogs. As long as I can trackback them with my self-hosted blog-software, as long as they can link me and as long as I don't need an account at some companies service to comment them. With flickr, this is different. I cannot add pictures on someone else's flickr-group from my own web-gallery. All the »social« aspect of flickr are completely based on everyone having an account at yahoo. Same goes with del.icio.us.
If we really want »Web 2.0« to be something that has to do with more freedom, more control from us / the users / the single person on the net, we should provide alternatives to centralized services. Alternatives that are not based on »just another web-service«, but on decentralized open standards and (at least as a possibility) free software. A fine example how this works is jabber (as an alternative to the IM-chaos of ICQ/AIM/MSN).
An alternative to del.icio.us could work like the PGP-keyservers. An alternative to flickr would be interoperability-standards to the various web-galleries (coppermine, menalto gallery), maybe some function similar to trackbacks for collective albums. If that's the direction »Web 2.0« goes, I'm really looking foward to »Web 3.0«. If »Web 2.0« means monopolies of Yahoo, Google and Microsoft, then it's not »MyWeb 2.0«.
Although probably nobody can provide an exact definition on what Web 2.0 is, it's mostly surrounding »social software«, i. e. web-software that is not organized as top-down-communication, but as communication between the users.
The most common example for social software are probably wikis and blogs. What I always saw very critical is that centralized services like flickr and del.icio.us are so popular in the blogosphere and the internet community. They are often called »Web 2.0« as well, although they work completely different. My vision of a free net is a different one.
Now with yahoo buying del.icio.us, the two probably most popular »Web 2.0«-services belong to the same company. The problems with this are obvious: You don't know what Yahoo does with your data (Data Mining), you never know if they're gonna change their terms of use from one day to the other (e. g. limit the number of pictures/links, take money for services that were free before) or even shut down a service because it doesn't match the »shareholder value« (Remember GiMiX? That was social software as well).
In my opinion there is a big discrepance between the ideals of »social software« and letting it depend on one centralized service. I have no problem with hosters that provide free/ad-financed blogs. As long as I can trackback them with my self-hosted blog-software, as long as they can link me and as long as I don't need an account at some companies service to comment them. With flickr, this is different. I cannot add pictures on someone else's flickr-group from my own web-gallery. All the »social« aspect of flickr are completely based on everyone having an account at yahoo. Same goes with del.icio.us.
If we really want »Web 2.0« to be something that has to do with more freedom, more control from us / the users / the single person on the net, we should provide alternatives to centralized services. Alternatives that are not based on »just another web-service«, but on decentralized open standards and (at least as a possibility) free software. A fine example how this works is jabber (as an alternative to the IM-chaos of ICQ/AIM/MSN).
An alternative to del.icio.us could work like the PGP-keyservers. An alternative to flickr would be interoperability-standards to the various web-galleries (coppermine, menalto gallery), maybe some function similar to trackbacks for collective albums. If that's the direction »Web 2.0« goes, I'm really looking foward to »Web 3.0«. If »Web 2.0« means monopolies of Yahoo, Google and Microsoft, then it's not »MyWeb 2.0«.
Friday, December 9. 2005
Neues Bett

Nebenstehend sieht man mein neues Bett, welches ein riesen Sch* zum Zusammenbauen war. Für einen kompletten Auf- oder Abbau braucht man geschätzt mind. eine Stunde (ja, das Teil hat einen Lattenrost, ja, man muss jede Latte einzeln anschrauben). Ich habe heute bereits die Erfahrung gemacht, dass man es auch komplett falsch zusammenbauen kann (ja, man musste wirklich JEDE einzelne Schraube wieder entfernen).
Jetzt steht es aber und gefällt mir ganz gut.
Wednesday, December 7. 2005
Eine extrem kämpferische Linke
Nun, das dürften die meisten mitbekommen haben, vor einigen Tagen urteilte ein Gericht gegen den heise-Verlag, dass selbiger für eventuell rechtswidrige Inhalte in den Foren verantwortlich zu machen ist, auch wenn der Verlag nicht über den Inhalt informiert wurde. Sollte das Urteil nicht gekippt werden, bedeutet dies, dass der Betrieb von öffentlichen Foren mit unkalkulierbaren Risiken verbunden ist. Für eine Institution wie den heise-Verlag dürfte es nahezu unmöglich sein, jeden Forenbeitrag zu kontrollieren, aber auch für Blogs und Wikis könnten die Auswirkungen fatal sein.
Nun, was würde man in einer solchen Situation von einer linken, politischen Position erwarten? Doch wohl, dass man selbiges politisch thematisiert. Dass man die Abzocke der Internet-Abmahnungen, die schon mehr als genug Schaden angerichtet haben, als solche kritisiert. Dass man die Bedrohung, die dabei vor allem für nichtkommerzieller Projekte ohne Rechtsabteilung entsteht, anprangert.
Die Linkspartei entschied sich für einen anderen Weg. So hat diese in vorauseilendem Gehorsam sicherheitshalber ihr Forum abgeschaltet:
Wir haben uns deshalb entschlossen, das Forum vorerst abzuschalten und die weitere Entwicklung der einschlägigen Rechtssprechung abzuwarten.
Nun, was würde man in einer solchen Situation von einer linken, politischen Position erwarten? Doch wohl, dass man selbiges politisch thematisiert. Dass man die Abzocke der Internet-Abmahnungen, die schon mehr als genug Schaden angerichtet haben, als solche kritisiert. Dass man die Bedrohung, die dabei vor allem für nichtkommerzieller Projekte ohne Rechtsabteilung entsteht, anprangert.
Die Linkspartei entschied sich für einen anderen Weg. So hat diese in vorauseilendem Gehorsam sicherheitshalber ihr Forum abgeschaltet:
Wir haben uns deshalb entschlossen, das Forum vorerst abzuschalten und die weitere Entwicklung der einschlägigen Rechtssprechung abzuwarten.
Saturday, December 3. 2005
Filmkritik "Der Exorzismus von Emily Rose"
Ohne viel über den Film zu wissen aber mit Interesse am Thema bin ich gestern ins Kino gegangen (übrigens etwas, was ich öfters tun sollte, schon oft genug hab ich den Film damit zugebracht, ihn mit meiner erwarteten Meinung zusammenzubringen).
Die Story des Films: Ein Mädchen ist gestorben, nachdem ein Priester bei ihr eine »Teufelsaustreibung«, einen sogenannten »Exorzismus« betrieben hat und sie gleichzeitig davon abhielt, die Hilfe von Ärzten in Anspruch zu nehmen. Während der Staatsanwalt ein gläubiger Christ ist, der jedoch mit den mittelalterlichen Ritualen nichts anfangen kann und den Priester für einen Mörder hält, bezeichnet sich die aufstrebende, junge Anwältin des Angeklagten als Agnostikerin.
Zu Anfang wird der Staatsanwalt als sachlich und kompetent dargestellt, auf der anderen Seite steht ein verwirrter Priester. Im Laufe des Films kippt die Stimmung, insbesondere durch die Person der Anwältin Erin Bruner, die mehrere unerklärliche Erlebnisse hat und selbst anfängt, an das Übersinnliche zu glauben. Der Film beruht auf einer Geschichte, die sich in ähnlicher Art und Weise 1976 in Bayern ereignet hat.
Der Film an sich war wenig Spektakulär, kein schlechter Film, aber auch kein besonders herausragender. Vermutlich nichts, was mir einen Blog-Eintrag wert gewesen wäre. Aber es handelt sich hier nicht lediglich um einen Gerichtsthriller mit ein paar Horrorelementen. Der Film hat eine Botschaft. Und die ist brandgefährlich.
Nun ist das Stilmittel, eine Person darzustellen, die anfangs "mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen steht", aber durch übersinnliche Ereignisse an ihrer Überzeugung rüttel muss, kein ungewöhnliches und man könnte es unter der künstlerischen Freiheit eines Regisseurs abtun. Wenn, ja wenn es sich wirklich um mittelalterlichen Hokuspokus handeln würde, den heute niemand mehr ernst nimmt. Jedoch zielt der Film auf ein gesellschaftliches Klima, in dem die Teile der Kirchen, die die Wissenschaftlichkeit ablehnen, Oberwasser gewinnen.
Papst Benedikt, vor kurzem noch Popstar eines absonderlichen Weltjugendtags, hat sich unlängst positiv zu Exorzismen geäußert und der Vatikan bietet gerade "Exorzismus-Kurse" an (die durchgeknallten Jubeljünger dieses Spinners sollten sich alle mal fragen was sie von sowas und von seinen permanenten homophoben Äußerungen eigentlich halten). Auf der anderen Seite stehen vor allem in den USA gerade die Kreationisten und Intelligent Design-Vertreter auf dem Plan, die der Biologie an den Kragen wollen und mit ihrer wissenschaftsfeindliche Weltsicht in Schullehrpläne drängen (übrigens kein auf die USA beschränktes Phänomen, so wollte kürzlich die Landesregierung von Thüringen den Kreationisten Siegfried Scherer zu einem "offenen Dialog" einladen, sagte dies aber nach massiven Protesten ab).
Durch sein Schwanken zwischen offener Sympathie für den Priester und "irgendwie ist alles möglich", sowie dem Ende, das irgendwie dann alle zufriedenstellen will, zielt der Film genau auf dieses Spektrum ab. Es wäre kaum eine Überraschung, wenn in Folge dieses Films Fälle von »Besessenen« zunehmen, die Exorzismus-Kurse des Vatikans sollen bereits gut besucht sein.
Die Story des Films: Ein Mädchen ist gestorben, nachdem ein Priester bei ihr eine »Teufelsaustreibung«, einen sogenannten »Exorzismus« betrieben hat und sie gleichzeitig davon abhielt, die Hilfe von Ärzten in Anspruch zu nehmen. Während der Staatsanwalt ein gläubiger Christ ist, der jedoch mit den mittelalterlichen Ritualen nichts anfangen kann und den Priester für einen Mörder hält, bezeichnet sich die aufstrebende, junge Anwältin des Angeklagten als Agnostikerin.
Zu Anfang wird der Staatsanwalt als sachlich und kompetent dargestellt, auf der anderen Seite steht ein verwirrter Priester. Im Laufe des Films kippt die Stimmung, insbesondere durch die Person der Anwältin Erin Bruner, die mehrere unerklärliche Erlebnisse hat und selbst anfängt, an das Übersinnliche zu glauben. Der Film beruht auf einer Geschichte, die sich in ähnlicher Art und Weise 1976 in Bayern ereignet hat.
Der Film an sich war wenig Spektakulär, kein schlechter Film, aber auch kein besonders herausragender. Vermutlich nichts, was mir einen Blog-Eintrag wert gewesen wäre. Aber es handelt sich hier nicht lediglich um einen Gerichtsthriller mit ein paar Horrorelementen. Der Film hat eine Botschaft. Und die ist brandgefährlich.
Nun ist das Stilmittel, eine Person darzustellen, die anfangs "mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen steht", aber durch übersinnliche Ereignisse an ihrer Überzeugung rüttel muss, kein ungewöhnliches und man könnte es unter der künstlerischen Freiheit eines Regisseurs abtun. Wenn, ja wenn es sich wirklich um mittelalterlichen Hokuspokus handeln würde, den heute niemand mehr ernst nimmt. Jedoch zielt der Film auf ein gesellschaftliches Klima, in dem die Teile der Kirchen, die die Wissenschaftlichkeit ablehnen, Oberwasser gewinnen.
Papst Benedikt, vor kurzem noch Popstar eines absonderlichen Weltjugendtags, hat sich unlängst positiv zu Exorzismen geäußert und der Vatikan bietet gerade "Exorzismus-Kurse" an (die durchgeknallten Jubeljünger dieses Spinners sollten sich alle mal fragen was sie von sowas und von seinen permanenten homophoben Äußerungen eigentlich halten). Auf der anderen Seite stehen vor allem in den USA gerade die Kreationisten und Intelligent Design-Vertreter auf dem Plan, die der Biologie an den Kragen wollen und mit ihrer wissenschaftsfeindliche Weltsicht in Schullehrpläne drängen (übrigens kein auf die USA beschränktes Phänomen, so wollte kürzlich die Landesregierung von Thüringen den Kreationisten Siegfried Scherer zu einem "offenen Dialog" einladen, sagte dies aber nach massiven Protesten ab).
Durch sein Schwanken zwischen offener Sympathie für den Priester und "irgendwie ist alles möglich", sowie dem Ende, das irgendwie dann alle zufriedenstellen will, zielt der Film genau auf dieses Spektrum ab. Es wäre kaum eine Überraschung, wenn in Folge dieses Films Fälle von »Besessenen« zunehmen, die Exorzismus-Kurse des Vatikans sollen bereits gut besucht sein.
Thursday, December 1. 2005
Wen die Neoliberalen so alles vereinnahmen wollen
Ich meine, das Dogma der neoliberalen Ideologen kennt man ja. Alles ist ganz furchtbar reformbedürftig (wobei Reform natürlich immer Sozialabbau heißt, aber es klingt besser), alle müssen den Gürtel enger schnallen (naja, fast alle), wenn der einzelne mehr arbeitet, gibt's mehr Arbeitsplätze etc. heißt es in Politik und Medien ja fast einhellig.
Nun musste ja schon Albert Einstein, jemand, der wie kaum jemand sonst nie einen Zweifel dran gelassen hat, was er von nationalistischer Denkweise hält, kürzlich für blödsinnige "Du bist Deutschland"-Motivationskampagnen herhalten. Doch unerwartet fand ich aber dann, wen sich da ein ARD-Kommentator zum Zeugen gemacht hat. So postuliert Tobias Häuser, im üblichen Gewäsch des neoliberalen Ideologiewirrwars
Da gilt das Wort von Karl Marx: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern.« Und Deutschland hat sich nicht genug verändert in den vergangenen Jahrzehnten - sonst wäre es heute nicht so reformbedürftig.
Nun musste ja schon Albert Einstein, jemand, der wie kaum jemand sonst nie einen Zweifel dran gelassen hat, was er von nationalistischer Denkweise hält, kürzlich für blödsinnige "Du bist Deutschland"-Motivationskampagnen herhalten. Doch unerwartet fand ich aber dann, wen sich da ein ARD-Kommentator zum Zeugen gemacht hat. So postuliert Tobias Häuser, im üblichen Gewäsch des neoliberalen Ideologiewirrwars
Da gilt das Wort von Karl Marx: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern.« Und Deutschland hat sich nicht genug verändert in den vergangenen Jahrzehnten - sonst wäre es heute nicht so reformbedürftig.
« previous page
(Page 42 of 57, totaling 848 entries)
» next page