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Datenschutz-Prüfsiegel von Schäuble

Friday, September 28. 2007, 16:15
Wolfgang Schäuble versucht sich wohl neuerdings als Komiker. Anders kann ich mir kaum die Meldung erklären, dass sich das Innenministerium bemüht, ein Prüfsiegel für Datenschutz in Unternehmen voranzutreiben.

Ich versuche mir das gerade vorzustellen. Man stelle sich vor, ein derartiges Prüfsiegel, nebst einem Newseintrag »Werte Kunden, aufgrund der neuen Verschärfungen im Bereich der Vorratsdatenspeicherung sind wir leider gezwungen, unsere bisherigen hohen Standards betreffend die Privatsphäre unserer Kunden aufzugeben".

Liest man weiter, erfährt man, dass es in Schleswig-Holstein bereits ein ähnliches Verfahren gibt - welches unter anderem Microsoft für sein Lizenzprüfungsverfahren erhielt. Naja, ich denke das sagt dann auch alles.

Für mein eigenes kleines Unternehmen kann ich versichern, dass wir weiterhin nach Kräften um den Datenschutz und die Sicherheit unserer Kunden bemüht sein werden - wir uns allerdings sehr ernsthafte Sorgen machen, wie lange wir das noch dürfen.

Nachrichten vom Tag

Wednesday, April 18. 2007, 17:52
Schlagzeile der tagesschau:
Zypries erklärt die Vorratsdatenspeicherung: »Wir bauen die Bürgerrechte aus«
Interessante Perspektive. Ich tippe auf starke Halluzinogene oder ähnliche wahrnehmungsverändernden Substanzen.

Schäuble erklärt dem Stern, dass im Anti-Terror-Kampf die Unschuldsvermutung nicht gelten kann. Man kann das für Skandalös halten. Alle, die in den vergangenen Jahren Schleierfahrung, verdachtsunabhängige Personenkontrollen, biometrische Pässe und letztendlich die Vorratsdatenspeicherung durchgewunken haben, sollten dies lieber nicht tun. Schäuble spricht nur aus, was de facto längst Realität ist.

Es gibt bislang keine Hinweise, dass der Amokläufer von Blacksburg Computerspieler war. Dass die Killerspiele Schuld sind, steht trotzdem schon so gut wie fest (via heise).

Fragen zum Bundestrojaner

Thursday, February 8. 2007, 15:39
Die Diskussion zum Bundestrojaner schlägt ja grad ziemliche Wellen. Ich versuch mir grad vorzustellen, wie das eigentlich in der Praxis aussieht.

Ich meine, wir ham ja gewisse Unterschiede zu »normalen« Hausdurchsuchungen. Physikalische Sicherheitsmechanismen (Türen, Schlösser) haben ja qua Design immer gewisse umgehungsmöglichkeiten, im Zweifel rohe Gewalt. Bei elektronischen verhält sich's da ja ein bißchen anders. Zwar ist es bekanntermaßen so, dass wir's bei allen real existierenden Betriebssystemen mit so vielen Sicherheitslücken zu tun haben, dass ein »echter Hacker« (tm) immer sagen würde, wenn man unbedingt rein will, geht irgendwas, aber vorgesehen ist das ja nicht unbedingt so.

Ich stell mir da zum Beispiel folgende Fragen:
- Kriegen Antiviren-Firmen dann Post vom BKA mit einer Liste von Schadsoftware, die sie bitte unbehelligt lassen sollen? Wann gibt's die erste Klage gegen einen Hersteller von Security-Software wegen Behinderung von Strafverfolgung?
- Kriegt Microsoft Post vom BKA, welche Sicherheitslücken einen Patchday länger überleben sollen?
- Steigt die Bundesregierung in den Handel mit 0-day-Exploits ein? (Ohne mich da genauer auszukennen, aber ich würde ja vermuten, dass man es da ziemlich schnell mit eher mafiosen Strukturen zu tun hat)

Ich vermute ja stark, die Antwort ist im Moment vor allem, dass die Leute, die sich das ausgedacht haben, einfach keine Ahnung von der Sache haben (wer sich davon überzeugen mag, Wolfgang Schäuble im taz-Interview). Aber da tun sich schon spannende Fragen auf.
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