Adresse auf Reisen

Friday, February 23. 2007, 13:57
Nicht nur die elektronische Inbox ersäuft im Spam, auch »klassische« Methoden wie Cold Calls und die Schneckenpost werden zunehmend zur Verbreitung von Werbung genutzt.

Kürzlich nahm ich mir den Plan vor, der Herkunft meiner Werbeanschreiben nachzugehen. Da das Bundesdatenschutzgesetz entsprechende Anfragen vorsieht (§34, Auskunft an den Betroffenen), ist jedes Unternehmen verpflichtet, mir Auskunft über Art und Herkunft meiner Daten zu geben.

Mit einem Werbeanschreiben der Bank ING-DiBa fing ich an. Ich erhielt die freundliche Auskunft, dass es sich bei den Werbeanschreiben um einmalige Aktionen handle, dass die Adressen extern eingekauft werden und dass ING-DiBa selbst keine Daten von mir gespeichert hat. Desweiteren verwies man mich an die Global Direct GmbH / Global Group, von der meine Adresse stammt.

Ok, nächstes Anschreiben, an die Global Group. Hier erhielt ich die Information, dass man lediglich meine Adressdaten und keine weiteren Personendaten speichere. Meine Aufforderung zur Löschung der Daten beantwortete man wie folgt:
Daraufhin werden wir selbstverständlich Ihre Adressdaten vom Einsatz durch unser Haus ausnehmen und mit einem Sperrvermerk versehen. Bei jeder Werbeaktion, die wir für unsere Kunden durchführen, werden die Adresslisten, die zum Einsatz kommen, mit den gesperrten Daten verglichen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Sie keine Werbung mehr durch uns erhalten. Die Löschung Ihrer Adresse würde verhindern, dass ein solcher Abgleich durchgeführt werden kann. Wir können dann nicht mehr garantieren, dass Sie aus unserem Haus keine Werbung mehr erhalten.

Das finde ich ja nun spannend. Das heißt ja ungefähr, wir könnten ihre Adresse zwar löschen, aber da vermutlich sowieso die Daten jedes Menschen in einem Industrieland überall verfügbar sind, nützt es mehr, die Daten beizubehalten und zu sperren. Denn, dass die Adresse wieder eingekauft wird, ist so gut wie sicher. Desweiteren gab's noch einen Hinweis auf die Robinson-Liste und die Information, dass meine Daten von der Firma Palette Adressen eingekauft wurde. (Wie groß ist die Branche eigentlich, die nur mit Datamining handelt, inzwischen?)

Also nächstes Anschreiben (übrigens alle per eMail). Von Palette Adressen erhielt ich die Auskunft, dass ebenso nur meine Adresse gespeichert sei, desweiteren ein dem oben zitierten ähnlicher Hinweis, dass meine Adresse gesperrt würde.

Gekauft wurde meine Adresse angeblich von einem Lotterie-Händler in Herford. Dieser sei jedoch inzwischen verstorben und meine Adresse sei dort auch nicht mehr gespeichert. Beruhigend, wenigstens bekomme ich keine Werbung aus dem Jenseits.

Damit endet diese Kurze Geschichte meiner Adressdaten. Wo sie ursprünglich herkamen, ließ sich nicht rekonstruieren und ein weiteres Nachforschen scheint sinnlos. Ich werd's nächstes Mal wieder versuchen. Und zu einem in jüngerer Zeit aufgeschlagenen Cold Call bin ich auch noch am Recherchieren, gibt's vielleicht bald weiteres.

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Comments
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Mach's doch in Zukunft so:
http://www.bitsploit.de/archives/233-Wer-verkauft-eigentlich-meine-Adresse.html
#1 Alex (Link) on 2007-02-23 16:21
Ich habe mir vor einiger Zeit auch mal die Mühe gemacht.

Einmal Dell, die sowohl mich als auch einen Freund unter Verwendung eine komischen Adresse angeschrieben haben.
Und ein weiteres mal an Peugeot.

Von beiden habe ich keine direkte Antwort innerhalb der Frist bekommen. Aber ein Unternehmen hat die Anfrage anscheinend weitergeleitet und ich bekam nach ein paar Wochen eine freundliche und ausführliche Antwort.
Angeblich hätte ich 2001 oder so aktiv meine Einwilligung gegeben. Kann ich mir nicht vorstellen, aber natürlich auch nicht prüfen.
#2 Bo on 2007-02-23 16:49
»Am recherchieren« ist man aber auch nur im Rheinland. Und dort gibt es auch »Dat Schantall und dat Desiree«.
#3 Lars Strojny (Link) on 2007-02-23 23:08
augh

Ich sollte das auch mal machen.

Und wenn irgendjemand was von EInwilligung erzählt, werde ich ihm erzählen, dass ich sogar bei meinem Handyvertrag die entsprechende Klausel perönlich durchgestrichen habe.
#4 Arne+Babenhauserheide (Link) on 2007-02-26 22:55
Ich habe vor ca. 1,5 Jahren beschlossen sämtliche Werbung abzubestellen und auch meinen RealLife-Briefkasten dafür zu sperren. Die Robinson Liste hat auch ihren Teil dazu beigetragen, dass die Werbeflut immer weniger wird.
Meine primäre Motivation dafür war das damals neu erlangte Wissen über den Ressourcen-Verbrauch bei der Herstellung von Papier (bzw. dem Recyclng) - und das meist nur dafür, dass wir es nicht einmal anschauten, zum Altpapier legten und dann sogar (teilw.) mit dem Auto zum Recycling-Hof transportieren mussten!!
#5 Daniel on 2007-04-02 11:45

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